Oktober 2011 | Noch nie gab es für clevere Konsumenten so viele Möglichkeiten, das Beste aus ihren bisherigen und zukünftigen Besitztümern zu machen. Hier sind einige Gedankenanstöße, um Sie auf die kommende Zeit vorzubereiten.

Die vielen Wege, auf denen sich die Konsumarena über das „alte“, ursprüngliche Konsummodel (Marken produzieren, Kunden kaufen) hinaus ausgebreitet hat, war regelmäßig Thema in bisherigen Trend Briefings: von GENERATION C(ASH) und C(ONTENT) hin zu SELLSUMERS und OWNER-LESS.
Doch durch eine ganz neue Entwicklung können Konsumenten jetzt noch mehr aus ihrem Vermögen und ihren Besitztümern machen:
RECOMMERCE | Für Konsumenten war es nie einfacher, auf den Wert von früheren Käufen zuzugreifen*. Neue „Buy-Back“-Modelle von Marken, Tauschbörsen und Verkaufsplattformen (online oder für Smartphones) bieten clevere und bequeme Optionen, wie Konsumenten ihre alten Sachen „eintauschen können, um daran zu verdienen“. So sind finanziell schwierige Zeiten leichter zu ertragen (hat jemand Rezession gesagt?) und/oder umwelt- oder ethisch problematische Fragen stellen sich erst gar nicht.
Tatsächlich beeinflusst RECOMMERCE auch immer mehr die Erstkaufentscheidungen der Konsumenten. Egal, ob sie ein Auto oder ein Haus kaufen: heutzutage spielen auch die möglichen Gewinne bei Wiederverkauf eine große Rolle. Und das gilt für immer mehr Warentypen.
Hier sind drei treibende Kräfte hinter dem Phänomen RECOMMERCE:
Die aktuelle EXPECTATION ECONOMY (ERWARTUNGSMARKT) hat eine neue Schicht von Konsumenten entstehen lassen, die von jedem Kauf das „Beste vom Besten“ erwarten, und dieselben Konsumenten sind zunehmend darauf aus, im „Hier-und-Jetzt“ so viele neue Erfahrungen wie möglich zu sammeln.
All das erklärt die Anziehungskraft von neuen Produkten, Waren und Services: verbesserte Features, höhere Qualität oder neues Design versprechen ein nie dagewesene Erlebnisse, und darum ein besseres oder interessanteres Leben.
Wir sagen schon lange, dass der Wunsch nach höherem Sozialstatus der wirkliche Ursprung aller Konsumtrends ist. Die Diversifikation der STATUSPHERE bedeutet allerdings, dass viele Konsumenten diesen Status von mehr als nur dem Besitz der größten, schnellsten und tollsten Dinge ableiten, und Status jetzt mehr von eigenen Fähigkeiten, Großzügigkeit, Vernetzung und ökologischer Qualifikation bestimmt wird.
Tatsächlich gibt es immer mehr Konsumenten, die durch cleveres und bewusstes anstelle von auffälligem Konsumverhalten zu ihrer Statusbefriedigung kommen.
Hier geht es allerdings nicht um den totalen Un-Konsum (welcher der Mehrzahl der Konsumenten weiterhin fremd bleiben wird), sondern um bewussten Konsum, bei dem es wichtiger ist, Bargeld oder Rabatte für alte oder (un-)benutzte Dinge zu bekommen, oder alte Gegenstände verantwortlich zu entsorgen*.
* Selbstverständlich gibt es passend hierzu eine ganze Reihe innovativer Recycling-Modelle — aber dazu mehr im nächsten Trend Briefing über ECO-CYCOLOGY!
Durch die andauernde wirtschaftliche Instabilität im „Westen“ müssen immer mehr Konsumenten mit immer weniger auskommen. Diese Konsumenten wollen dennoch immer neue Erlebnisse, so dass das Verkaufen oder Eintauschen von alten/unbenutzten Gegenständen die perfekte Entschuldigung für Shoppen ohne Schuldgefühl ist. Und durch die große Anzahl an Konsumenten, die in den letzten Jahren eine „Ära des Hyperkonsums“ erlebt haben, gibt es wahrlich keinen Mangel an wenig benutzten Gegenständen.
Dazu kommen noch die schlauen Konsumenten, die bewusst und aktiv nach dem RECOMMERCE-Prinzip handeln (ob sie von der Rezession getroffen wurden oder nicht), und so auf die nächste Konsumstufe klettern: sie „investieren“ jetzt in qualitativ höherwertige Produkte oder Premium-Marken, weil sie wissen, dass sie ihren Einkauf zu jeder Zeit einfach und lukrativ wieder verkaufen können.
Es ist Zeit, auf die drei größten Manifestationen von RECOMMERCE zu blicken: marken-geführten Eintausch-Inititativen, Online-Plattformen und mobile Kauf- und Tauschbörsen.
Heute sind sich die Konsumenten mehr als je zuvor dem Wert ihrer alten Besitztümer bewusst, aber durch den generellen Unwillen, etwas wegzugeben, den Endowment-Effekt (die Tendenz, den eigenen Besitz übermäßig zu bewerten), und die umständlichen Modalitäten des Verkaufs sind Konsumenten häufig abgeneigt, sogar nur selten benutzte Dinge einfach zu verkaufen.
Darum sind markengeführte TRADE IN TO TRADE UP-Initiativen perfekt, um diese Barrieren zu durchbrechen: Konsumenten können schnell und unkompliziert auf den Wert ihrer alten Sachen zugreifen, und gleichzeitig an neue, verbesserte Artikel kommen.
Die Käufer von Konsumgütern wie Mode oder Elektronik begrüßen Ankaufsmodelle, da es so leichter wird, die Kosten eines immer aktuellen Lifestyles und der neuesten Produkte (mit immer kürzerer Lebenszeiten) zu tragen. Außerdem wird so sichergestellt, dass alte Artikel weiter verwendet oder recycled werden.
Hier nur ein paar Anzeichen: Gazelle, eine US-amerikanische Ankaufsplattform, kaufte 2000 iPads allein in der Stunde nachdem Steve Jobs das iPad 2 vorgestellt hatte. Und im Juli 2011 fand eine Umfrage von Experian heraus, dass 35% aller Befragten das iPhone 5 kaufen würden, obwohl sie das Gerät noch nicht einmal gesehen hatten.
Fast alle Elektronikhändler bieten schon lange Ankauf-Modelle an, und nun springen aus Händler auch immer mehr anderen Bereichen auf den Zug auf:
Mode-Fans und Marken begrüßen ebenso erfreut die neuen TRADE IN TO TRADE UP-Programme:
Wohltätige Partnerschaften stellen sicher, dass gespendete Kleidung entsprechend wiederverwendet wird, sondern zeigen auch EMBEDDED GENEROSITY (EINGEBAUTE GROSSZÜGIGKEIT):
Natürlich ist TRADE IN TO TRADE UP auch perfekt für Bereiche geeignet, in denen hochpreisige Produkte mit langer Lebenszeit gehandelt werden:
Es gibt seit Jahren auch eine Reihe besonderer auf RECOMMERCE spezialisierte Geschäfte:
Eigentlich kann man alles verkaufen und eintauschen:
Illustration: Rio Safari
Und selbstverständlich wäre dieses Trend Briefing nicht komplett, ohne dass wir auf die zwei neuesten Innovationen im PKW-RECOMMERCE zu schauen:
eBay, Amazon und Craigslist dominieren den RECOMMERCE-Markt seit Jahren. Aber P2P-Marktplätze im Internet warten immer mehr mit Innovationen auf und ziehen so das Publikum an:
RECOMMERCE funktioniert aber nicht nur bei rein physischen Gegenständen, sondern auch mit Dienstleistungen. Das beste Beispiel: das Daily-Deal-Phänomen. Da über 20% der Gutscheine nie eingelöst werden (Quelle: Rice University, Juni 2011), gibt es bereits viele smarte Start-Ups, die es Konsumenten möglich machen, ihre Coupons zu verkaufen.
Online-Plattformen werden für immer Teil der RECOMMERCE-Landschaft sein, aber die Convenience-liebenden Konsumenten werden die Geschwindigkeit, Spontaneität und sofortige Wunscherfüllung der mobilen Marktplätze nicht missen wollen. Dinge über sein Handy zu kaufen oder zu verkaufen passt einfach zum aktiven Lifestyle der Konsumenten. Hyperlokale Marktplätze beenden außerdem das Ärgernis mit dem Versand, da Käufer und Verkäufer sich ganz einfach treffen können.
Quelle: Patekwatch.blogspot.com
Ist RECOMMERCE ein „neuer“ Megatrend, der ihr Unternehmen komplett umkrempeln wird? Nein. Aber umtriebige Leser werden jetzt schon viele Ideen haben, wie sie die Insights aus diesem Trend Briefing schon morgen auf ihre Unternehmungen anwenden können (spätestens in der Vorweihnachtszeit!). Die Kunden auf diese Art den wahren Wert ihrer alten Sachen erkennen zu lassen wird nicht nur dankbar aufgenommen werden (RECOMMERCE hat einen riesigen Wohlfühlfaktor, der gut zum aktuellen Kundenbedürfnis nach „menschlichen“ Marken passt), sondern lässt auch die Umsätze steigen. Was, wie wir glauben, Musik in den Ohren aller Geschäftstriebenden sein sollte.
RECOMMERCE bietet auch tolle Möglichkeiten für Marken, die aus dem „Rennen nach unten“ aussteigen wollen, denn das Bewusstsein um den langfristigen Wert einer Sache bringt die Konsumenten eher dazu, höhere Preise zu zahlen. Luxusmarken haben das schon immer verstanden, wie man an der Patek Philippe-Anzeige von 1949 (!) oben sehen kann.
Oh, und echte Unternehmer werden natürlich jetzt schon an ihrem eigenen RE)COMMERCE-Service arbeiten (alles ist möglich, von Authentifizierungs- und Bewertungsdiensten bis zu Plattformen) und so das sowieso rapide wachsende RECOMMERCE-Ökosystem bereichern.
Was steht als nächstes an? Unser nächstes kostenloses Trend Briefing flattert im November in Ihren Posteingang (natürlich nur wenn Sie angemeldet sind. Bis dahin, viel Erfolg und viel Spaß!
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