Juni/Juli 2011 | Jedes Jahr um diese Zeit veröffentlichen wir ein Trend Briefing, das ein klein wenig unbeschwerter ist und sich ausschließlich mit den endlosen spannenden Innovationen beschäftigt, die überall auf der Welt auftauchen. Willkommen zur INNOVATION EXTRAVANGANZA ;-)

INNOVATION EXTRAVAGANZA

Dutzende neuer Innovationen und die (Mini-)Konsumtrends, aus denen sie entstehen.

In der zunehmend globalen Wettbewerbsarena gibt es nur eine Chance auf Überleben, und die heißt Innovation. Mit Innovation meinen wir alles, was die Konsumenten in die Taschen greifen lässt — und das am besten, um für Ihre Produkte, Dienstleistungen und Erlebnisse zu bezahlen ;-)

Und weil heute jeder von Seth Godin bis zur Harvard Business Review brillante, inspirierende Insights und Theorien zu Innovation als Denkweise, Prozess und sogar als Lebenseinstellung präsentiert, möchten auch wir mit unseren Beispielen aktueller B2C-Innovationen einen Teil beitragen. Und zwar mit Dutzenden von Beispielen. So sehen wir es:

INNOVATION EXTRAVAGANZA |  Schlaue Geschäftsideen, smarte Marken und ausgeklügelte Produkte und Dienstleistungen, die auf überraschende, neue Weise Konsumentenwünsche bedienen werden niemals zu knapp werden. Gerade jetzt, da die ganze Welt in kreativem Chaos begriffen ist, erleben wir eine wahre INNOVATION EXTRAVAGANZA. Die zahllosen Beispiele, die wir in diesem Briefing zusammengefasst haben, sind also nur die Spitze des Eisbergs. Neues erfinden, verbessern, kopieren ... oder zugrunde gehen.

Wo ist die Verbindung zwischen INNOVATION EXTRAVAGANZA und Konsumtrends? So sehr wir uns auch auf neue Trends und Veränderungen im Konsumverhalten der Menschen konzentrieren werden wir dabei nie müde zu betonen, dass Trends nur für eine Sache gut sind: Um Sie zu inspirieren, innovativen Ideen und neue Produkte, Dienstleistungen und Erlebnisse für (oder mit) Ihre Konsumenten zu erfinden. Um mehr darüber zu erfahren, wie Sie Trends und Insights in wahre Innovationen verwandeln können, lesen Sie noch einmal im Teil ‚Apply!' im Tips-Abschnitt dieses Briefings nach.

Innovation: nicht nur aus Laboren, nicht immer ernsthaft, nicht unbedingt teuer

Drei weitere Gedanken zu Innovationen:

  • Bei Innovationen geht es nicht unbedingt nur um Wissenschaftler in weißen Kitteln, die in R&D-Laboren herumhantieren. In unserer heutigen Erlebniswirtschaft sind Marketing-Innovationen gleichsam wichtig — und übertrumpfen oft auch technische Innovationen.
  • Außerdem können neue Produkte und Dienstleistungen durchaus etwas frivol sein —  die Wünsche der Konsumenten sind es schließlich auch. Die Suche nach Innovationen muss nicht immer trocken und langweilig sein.
  • Drittens muss es nicht immer wahnsinnig teuer sein, etwas Neues auszuprobieren. Das Geheimnis vieler der Innovationen in diesem Briefing liegt in ihrer Cleverness  und Kreativität — und nicht in riesigen Forschungsbudgets

OK, genug gepredigt. Los geht‘s mit dem Training: entdecken Sie diese nach Mini-Trends sortierten, mehr als dreißig Innovationen (EMBEDDED STORIES, BIDCONOMY, CASH-LESS, und viele mehr):

  1. HAPPINESS
  2. CASH-LESS
  3. EMBEDDED STORIES
  4. LIFE: SUBSCRIBED
  5. NOW-OR-NEVER COMMERCE
  6. EXTREME CHARITY
  7. POP-UP 4.0
  1. PROFESSIONALL
  2. REPYOUTATION
  3. CHOICE CUTS
  4. GIFTING GALORE
  5. REAL-WORLD LIKING
  6. BIDCONOMY
  7. HYPER-PERSONALIZATION

1. HAPPINESS

Mobile Apps helfen zunehmend, nicht nur die körperliche Gesundheit (erinnern Sie sich an unseren WELLTHY-Trend?), sondern auch das emotionale Wohlbefinden der Konsumenten zu unterstützen. Hier sind einige dieser ‚Happiness‘-Apps:

  • Seit März 2011 helfen The Happy Apps für iPhone und iPad dabei, stresserzeugende äußere Reize außer Kraft zu setzen und so die Stimmung der Konsumenten aufzuhellen. Die schnelle spirituelle Heilung (sechs Apps) kostet nur 1,99 US-Dollar ;-)
  • Moodagent analysiert automatisch die MP3-Sammlung der Users und erstellt eine Wiedergabeliste ihrer Lieblingstracks — sortiert nach Kategorien wie Sensibilität, Sanftheit, Fröhlichkeit, Aggressivität und Tempo.
  • Die Mood Boost Brain Massage-App von Napuru kann 24 Stunden am Tag benutzt werden — sie verwendet beruhigende Klänge, um den Geist zu ordnen und zu entspannen.

2. CASH-LESS

„BARGELD-LOS”

Bargeldloses Bezahlen wird sowohl in ausgereiften wie in Schwellenmärkten langsam aber sicher Realität. In ausgereiften Märkten werden Innovationen im bargeldlosen Zahlverkehr vor allem vom Wunsch der Konsumenten nach unkomplizierter Bedienung und technologischen Fortschritten voran getrieben. Hier sind nur einige wenige der vielen Beispiele:

  • Seit März 2011 gibt die Dänische Post digitale Briefmarken heraus, die per SMS erworben werden können. Die Post schickt dann einen Code, den man anstelle einer traditionellen Briefmarke auf den Umschlag schreibt.
  • Seit Januar 2011 kann man in den USA bei Starbucks das Mobile Card-Zahlungsprogramm nutzen. Kunden erwerben einfach die passende Starbucks Card Mobile-App, die für jeden Kaffee einen eigenen 2-D-Barcode generiert. Der Code wird dann einfach an der Kasse gescannt.
  • McDonald's plant, dieses Jahr 7000 europäische Filialen mit Touchscreens und Magnetkarten auszustatten. Menschliche Kassierer werden somit überflüssig und außerdem Wartezeiten verkürzt. Burger King testet derzeit in ausgewählten Filialen das sehr ähnliche Visa payWave-System.
  • Rechtzeitig zu den Olympischen Spielen 2012 in London startet Samsung  (zusammen mit der Bank Lloyds TSB und Visa) den Verkauf von Smartphones, mit denen man an über 60 000 Orten in der Stadt kontaktfrei bezahlen kann.

In Entwicklungsländer sind Mobiltelefone stark verbreitet, aber die Bankeninfrastruktur ist oft unterentwickelt. Darum sind sie perfekter Nährboden für CASH-LESS-Innovationen (nachzulesen in unserem FUNCTIONALL-Trend Briefing). Safaricoms M-PESA in Kenia und Globe Telecoms GCASH auf den Philippinen sind wahre Pioniere auf diesem Gebiet, aber es gibt noch viele andere Beispiele:

  • In Somaliland, wo es fast keine Geldautomaten gibt, hat Telesom bereits 2009 den mobilen Bezahldienst ZAAD Service eingeführt. Im Oktober 2010 wurde der Dienst technisch so erweitert, dass Kunden auch mit dem Handy Überweisungen in Auftrag geben und erhalten können.
  • Und auch dort, wo CASH-LESS keine Option ist, gibt es viele innovative Ideen, wie Konsumenten harte Währung erhalten können: seit März 2011 kann man bei der südafrikanischen First National Bank per Mobiltelefon Geld am Automaten abheben. Kunden erhalten per SMS einen temporären PIN, der dann innerhalb von 30 Minuten am Automaten gültig ist.

3. EMBEDDED STORIES

,,EINGEBETTE GESCHICHTEN”

Produkte durch Storytelling emotional aufzuladen ist keine neue Idee. Tatsächlich werden individuelle Produktgeschichten nach dem (STILL) MADE HERE- ((NOCH IMMER) HIER HERGESTELLT)-Prinzip und traditionelle Markenbotschaften bei Konsumenten immer beliebter, da sie ihnen helfen, ihre eigenen STATUS STORIES zu erzählen.

Allerdings bekommen Konsumenten durch neue Technologien Zugang zu immer ausgefalleneren und detaillierteren Geschichten, da nun Online- und Offline-Welten immer stärker verflochten werden können:

  • RememberMe ist eine Kollaboration zwischen TOTeM (Tales of Things and Electronic Memory) und Oxfam, die die persönliche Vergangenheit von Stücken erlebbar macht: Bevor alte Besitztümer gespendet werden, wird ihre ganz eigene Geschichte per RFID-Tag an ihnen befestigt.
  • Im März 2011 brachte der US-amerikanische Unternehmen mit ReMakes eine Linie von einzigartigen, umweltfreundlichen Tisch-Sets auf den Markt, die aus ausgemusterten Plakaten und Filmpostern gemacht sind. Auf jedem Set befindet sich ein QR-Code, der gescannt werden kann und so automatisch eine Webseite mit Informationen zu ReMakes öffnet.
  • N-spired Story wurde im März 2011 gegründet und lädt Leute ein, Fotos, Videos und Geschichten einzuschicken; jeden Monat wird aus einer Geschichte ein T-Shirt-Motiv kreiert, das in einer limitierten T-Shirt-Edition erscheint. User werden zu einer Webseite mit der ganzen Geschichte weitergeleitet, wenn sie das Motiv mit ihrem Handy abfotografieren.
  • Das IOU-Projekt ist eine Kollektion, bei der nur handgewebte Stoffe aus Indien verarbeitet werden. Jeder Artikel ist mit einem eigenen QR-Code versehen, über den der Käufer dessen Weg bis zum Webstuhl zurückverfolgen kann.

4. LIFE: SUBSCRIBED

,,LEBEN: ABONNIERT”

Konsumenten haben immer weniger Zeit und Muße (Sie würden jetzt sagen, wir untertreiben), weshalb sich jetzt aus bereits zusammengestellten Angeboten und dem Verkauf per Abonnement unzählige neue Absatzmöglichkeiten ergeben:

  • Bei Jangeus Design aus Großbritannien kann man ein Abonnement für wenig glamouröse, aber sehr nützliche Haushaltsgegenstände, nämlich umweltfreundliche Küchentücher, erwerben.
  • Hoseanna liefert Kundinnen in den USA jeden Monat eine neue (laufmaschenfreie) Strumpfhose direkt an die Haustür.
  • Men are Useless schickt Kunden in Großbritannien jeden Monat wichtige Pflegeartikel. Und über den neuen Service GlossyBox können schönheitsbewusste Frauen Luxus-Pflegeartikel testen.
  • In den USA bietet Tota Press ein Abo für handgemachtes Briefpapier an.
  • Kunst-Fans erhalten vom kanadischen Papirmasse über ein monatliches Abo Kunstdrucke; vom US-amerikanischen Unternehmen Alula erhalten Kunden über ein Abo pro Jahr vier limitierte Kunsttextilien pro Jahr.
  • Seit Januar 2011 schickt Not Another Bill seinen Kunden jeden Monat ein Überraschungsgeschenk.

5. NOW-OR-NEVER COMMERCE

,,JETZT ODER NIE-KOMMERZ”

Konsumenten lieben das Gefühl von Vorfreude und Exklusivität (siehe PLANNED SPONTANEITY (GEPLANTE SPONTANEITÄT)). Das Aufkommen von Flash Sale-Webseiten wie Groupon und LivingSocial sowie die weiterhin beliebten Pop-Up Shops erinnern uns daran, dass Konsumenten noch immer gerne spontane Kaufentscheidungen treffen — besonders, wenn es ein Schnäppchen zu machen gibt:

  • Speedsale vom schwedischen Händler Papercut bietet Bücher, DVDs und viele andere Artikel zu reduzierten Preisen — allerdings nur für vier Sekunden. Wer in der kurzen Zeit nicht zuschlägt, für den ist das Angebot vorbei. Für immer.
  • Der Modegigant Burberry hat das Burberry Retail Theater entwickelt, um seine Frühling/Sommer 2011-Kollection zu zeigen. Zu dem Event waren Kunden aus 15 Ländern eingeladen und konnten Kleidungsstücke direkt vom Laufsteg kaufen.
  • Auf ähnliche Art und Weise können Mitglieder von Moda Operandi bereits 48 Stunden nach der Modenschau eines Designers einkaufen. Die Bestellung wird innerhalb von vier Monaten geliefert — zwei Monate, bevor die Stücke in den Länden hängen. Mitglied wird man übrigens nur durch persönliche Einladung, wodurch das Konzept noch exklusiver wird.
  • Groupon startete vor kurzem in Chicago das Pilotprojekt Groupon Now. Konsumenten können damit Echtzeit-Angebote von Unternehmen in der Nähe sehen. Deals sind nur für weniger Stunden gültig, so dass Kunden schnell zuschlagen müssen.

6. EXTREME CHARITY

,,EXTREM WOHLTÄTIG”

Aber hier nun noch ein besonderes Beispiel, das ‚Wohltätigkeit meets ATTENTION ECONOMY‘ auf die Spitze treibt ;-)

Wir haben hier schon mehr wohltätige und großzügige Innovationen vorgestellt, als man sich vorstellen kann: von RANDOM ACTS OF KINDNESS (ZUFÄLLIGE GUTE TATEN) bis EMERGING GENEROSITY (DIE NEUE GROSSZÜGIGKEIT), — dieser Trend hört nie auf, die Leute zu erfreuen ;-)

  • DONA aus Südkorea ist ein Street Fundraising-Roboter, der einem Kind ähnelt. Er ist darauf programmiert, mit dankbaren Gesten zu reagieren, wenn jemand Geld in seinen Sammelbehälter wirft.

7. POP-UP 4.0

Seitdem wir 2004 den Begriff POP-UP STORES erfunden haben (ja, es tut uns wirklich leid!) ist aus dem flüchtigen Konzept eine fester Teil vieler Marketing- und Branding-Strategien geworden. Ein vorübergehendes Phänomen wie dieses braucht konstante Innovation. Darum sind die Pop-Ups von heute größer, besser und extremer als je zuvor:

  • Im Mai 2011 eröffnete Tommy Hilfiger den Prep World Pop-Up, eine Konstruktion mit dem Aussehen eines typisches Strandhaus der amerikanischen Ostküste. Das Haus wird in verschiedenen Städten auf der ganzen Welt aufgestellt werden; dort werden unter dem Prep World-Motto Events für stilbewusste Konsumenten veranstaltet werden.
  • Als Teil der Give It Back-Kampagne verkaufte ein Coca Cola Pop-Up-Store in Tel Aviv im April 2011 recycelte und aufgewertete Produkte aus Coca-Cola-Flaschen und -Dosen.
  • Um das Warten in überfüllten Flughafenterminals im Winter erträglicher zu machen wurde am Genfer Flughafen einfach ein Pop-Up-Terminal aufgebaut. Die weiße, komplett wasserdichte Markise wurde vor dem Flughaben errichtet und wurde unter anderem für Check-Ins benutzt.
  • Im März 2011 entwickelte der schwedische Elektronikhersteller Electrolux zusammen mit den italienischen Architekten Park Associati The Cube: ein aluminium-beschlagenes, tragbares Restaurant mit Terrasse groß genug für 18 Gäste. Es ist bisher in mehreren europäischen Städten aufgestellt worden — jeweils an Orten mit einzigartigem Panoramablick über die Umgebung.
  • Kilo Fashion ist ein neuer Pop-Up-Store in Mailand, der Designerkleidung und Accessoires nach Kilopreis verkauft. Kilo ist ein geistiges Produkt der Modemarke Lilla und öffnete im späten März seine Türen. Der Laden schließt im Juli 2011.
  • Im August 2011 soll im Londoner Stadtteil Shoreditch der Boxpark entstehen: ein Pop-Up-Einkaufszentrum, in dem sich auf zwei Stockwerken mehr als 50 kleine Ladenflächen befinden. Boxpark wird am Bishopsgate Goods Yard, einem seit 40 Jahren brach liegenden Eisenbahngelände gebaut werden, und wird sich auf kleine, unabhängige und handverlesene Marken konzentrieren.

8. PROFESSIONALL

Mittelmäßige oder sogar hausgemachte Qualität (es sei denn es ist (STILL) MADE HERE , natürlich
;-) ist für die anspruchsvollen Konsumenten von heute nicht genug. Günstige und verfügbare Produkte und Tools lassen auch immer mehr normale Menschen zu professionellen Produzenten werden. Hier sind einige neue Entdeckungen:

  • WilliamsWarn in Neuseeland erfanden 2011 die erste persönliche Brauereianlage der Welt. Durch die einfache Bedienung können sogar Novizen ihr Lieblingsbier selbst zuhause brauen, denn das Gerät kümmert sich vollautomatisch um die komplizierteren Teile des Brauvorgangs.
  • TechShop aus Kalifornien ist eine Kette von Werkstätten, in denen Mitglieder ihre Träume vom selbstgetunten Auto wahr werden lassen können.
  • Mit der Collabracam können User Videos in Profiqualität drehen. Indem bis zu vier iPhones, iPod Touch oder iPads miteinander verbunden werden, kann der Regisseur alle Kameraeinstellungen gleichzeitig sehen und zu jeder Zeit zwischen Kameras wechseln.
2012 Premium Service

9. REPYOUTATION

Da viele Konsumenten immer mehr ihrer Zeit online verbringen, haben wir untersucht, wie eine Online-Identität aufgebaut wird, wie man von ihr profitieren (PROFILE MYNING) und sie sogar stolz zeigen kann (ONLINE STATUS SYMBOLS (ONLINE-STATUSSYMBOLE)). Kein Wunder also, dass es eine vergrößerte Nachfrage nach Produkten und Dienstleistungen gibt, mit denen man sein Online-Image (und damit auch das Offline-Image) bereinigen, schützen oder wiederherstellen kann*.

*Und ja, es gibt entsprechend auch einen riesigen Bedarf nach Diensten, die die eigene Privatsphäre schützen — aber dazu mehr in einem anderen Trend Briefing.

  • Die US-amerikanischen reputation.com und Reputation Armor sind Online-Imageberater, die Konsumenten beibringen, wie sie ihre Daten managen und ihr Image schützen können, indem sie z. B. missverständliche oder inkorrekte Informationen blocken.
  • Metal Rabbit Media macht wohlhabende Kunden „zum Gesprächsthema, erzeugt größere Nachfrage und schützt ihren Ruf“.
  • Socioclean und Reppler sind kostenlose Services, mit denen User ihre Online-Profile überwachen und ungünstiges und unangemessenes Material löschen können.

10. CHOICE CUTS

„ENTSCHEIDUNGSHILFE”

Die Masse an verfügbaren Informationen und Daten im Web wird mit jedem Tag größer, und das Verlangen der Konsumenten nach den allerbesten Leckerbissen ist unerbittlich (siehe INFOLUST). Darum werden Tools, die dabei helfen, die Informationsflut in einer konsumierbare Form zu präsentieren, zu bearbeiten, zu kürzen und zu filtern, ewig relevant bleiben. Hier sind ein paar Beispiele extremer Datenkuration:

  • Hotel Haiku ist eine Reise-Webseite, die Hotels auf der ganzen Welt in simpelster Form präsentiert Die Informationen bestehen aus ein einem einzelnen Bild, einer kurzen Beschreibung und einem Link. Mehr nicht.
  • Just Buy This One aus Großbritannienmacht aus den kumulierten Bewertungen eines Produkt eine einzelne Empfehlung. Den Service gibt es für neun verschiedenen Kategorien, von Kameras bis hin zu Wasserkochern.
  • Bei 1band1brand geht es um Musik und Mode: jede Woche werden nebst besonderen Angeboten für Abonnenten eine junge Band und ein aufstrebendes Modelabel vorgestellt.
  • Art Sumo ist eine brandneue Webseite nur für Mitglieder, die unbekannten Künstlern in Entwicklungsländern Zugang zu einem breiteren Publikum ermöglichen will. Jeden Tag wird ein bisher unbesungenes Kunstwerk zu stark reduziertem Preis angeboten.

11. GIFTING GALORE

„MASSENHAFT GESCHENKE”

Kommunikation mit einer menschlichen Note hat für Marken schon immer höhere Verkaufszahlen, Kundenbindung und Loyalität bedeutet, und wird es auch weiter tun. GIFTING GALORE ist nur einer der vielen Subtrends unter GENERATION G und umfasst alle kreativen Schritte, die es Konsumenten möglich machen, sich untereinander zu beschenken.

  • PepsiCo hat kürzlich die ‚Social Vending Machine’ vorgestellt; Konsumenten können damit ihren Freunden eine Erfrischung ausgeben — das Getränk kann dann per SMS an einem der Automaten abgeholt werden.
  • Das deutsche Unternehmen frinXX ermöglicht es, Freunden in Abwesenheit Getränke auszugeben. Sobald der Zahlbetrag gutgeschrieben wurde wird ein Code generiert und mit einer persönlichen Nachricht an den Empfänger geschickt.
  • Giftee aus Japan ist ein Online-Geschenkeservice, über den User ihren Freunden per Twitter ein kleines Dankeschön schicken können. Die Beschenkten müssen das Geschenk allerdings auch annehmen – wenn sie es nicht tun, werden die Geschenke an Wohltätigkeitsvereine verschenkt.

12. REAL-WORLD LIKING

Das Bedürfnis der Konsumenten, ihr Leben in sozialen Netzwerken zu veröffentlichen, ist ungebrochen (siehe SOCIAL-LITES), und Apps wie Foursquare, Gowalla, oder der ‚Like‘-Button im Facebook machen es den Usern einfach möglich mitzuteilen, wo sie sind, was sie gerade machen und was ihnen gefällt. Aber wie viele Apps machen es wirklich möglich, tatsächliche Erfahrungen in der Offline-Welt mit dem Web zu verbinden? Hier sind ein paar sehr gute Bespiele:

  • Auf der Automesse AutoRAI Automesse in Amsterdam im April 2011 verteilte der Autohersteller Renault Magnetkarten mit RFID/Technologie, mit denen man sich im Facebook einloggen konnte. User konnten so ihren Gefallen an einem Wagen äußern, indem sie die Karten über ein Lesegerät zogen – das ‚Like‘ erschien Sekunden später auf ihren Profilseiten.
  • Letzten August lud Coca-Cola ausgewählte israelische Teenager ins „Coca-Cola-Village”, ein dreitägiges Ferienlager mit unzähligen Aktivitäten, ein (hier ist das YouTube-Video dazu). Bei Ankunft wurden sie mit einem RFID-Armband ausgestattet, das sie an den Attraktionen (von Massagen bis hin zum Swimmingpool) über ein Lesegerät ziehen konnten. So konnten sie offline ihren Facebook-Status aktualisieren; außerdem wurden sie automatisch in Fotos markiert.
  • Auf dem PIAS Nites Musikfestival in Brüssel im März 2011 bekamen Besucher eine Karte, die mit ihrem Facebook-Account verbunden wurde. Indem sie die Karten gleichzeitig über ein Lesegerät zogen konnten sie neuen Bekanntschaften Freundschaftseinladungen schicken oder in einem speziellen Fotoautomat Fotos machen, die automatisch auf ihre Profile hochgeladen wurden.

13. BIDCONOMY

Es gibt immer mehr Webseiten, auf denen die traditionelle Käufer-Verkäufer-Beziehung auf den Kopf gestellt wird und es die Verkäufer sind, die den Konsumenten einen Preisvorschlag machen. Hier sind einige aktuelle Beispiele für Angebote nach dem BIDCONOMY-Prinzip:

  • Auf dem kanadischen Zipzoom verkünden Käufer, was sie möchten, und geben Verkäufern so die Chance, Angebote abzugeben. Individuell zugeschnittene Preisvorschläge werden direkt zugestellt, so dass die Käufer die Wahl haben, welches Angebot sie annehmen wollen.
  • HolidayCrowd ist seit März 2011 in Beta verfügbar und ermöglicht es Urlaubern anzugeben, wohin sie gerne reisen würden und wie viel Geld sie dafür ausgeben möchten. Die teilnehmenden Reisebüros bearbeiten die Anfrage und erstellen eine Route – so entstehen mehrere Angebote, aus denen der Urlauber nur noch auswählen muss.
  • Das Start-Up Zaarly besteht seit Mai 2011 und bekam die Aufmerksamkeit von u.a. Ashton Kutcher, indem es das Craigslist-Modell einfach umdrehte. Mit dem Tool können User ihren Aufenthaltsort posten und angeben, was sie suchen, was sie bezahlen möchten und wann sie es brauchen. Die Anfrage wird an Anbietern und Unternehmen in der Umgebung weitergeleitet, und der Dienst stellt am Ende sogar den Kontakt zwischen Käufer und Anbieter her (per anonymen Anruf), so dass unverbindlich Lieferung und Zahlungsabschluss besprochen werden können.

14. HYPER-PERSONALIZATION

„HYPER-PERSONALISIERT”


Können Marken ihre Produkte und Dienstleistungen jemals persönlich und individuell genug machen? Lassen Sie Ihre Konsumenten mehr wählen als nur ein Muster und eine Farbe, denn das Zauberwort der kommenden Jahre heißt ‚Hyperpersonalisierung‘. Von diesen Beispielen können Sie lernen:

  • Der französische Hautpflegehersteller Codage lässt Kunden auswählen, welche Inhaltsstoffe und Wirkstoffkonzentrationen ihre Produkte enthalten sollen. Die Konsumenten werden Schritt für Schritt durch einen Diagnosevorgang geleitet, bei dem ihre persönlichen Bedürfnisse festgestellt werden. Codage kann ihnen dann Nahrungsergänzungsmittel oder Cremes und Pflegeserum für Gesicht und Augen vorschlagen.
  • Das niederländische Kunst Buzz erstellt Kunstwerke aus den Tweets der User. Die Leinwanddrucke sind in drei Größen erhältlich und kosten zwischen 125 EUR und 225 EUR.

Chancen

Schumpeters "Creative Destruction" ist tätsächlich über uns gekommen!

Wir können es nicht oft genug sagen: neben der fortlaufenden Verbesserung ihres Grundangebots müssen Sie sich auch konstant bemühen, innovativ zu sein. Mit diesem Trend Briefing sollten Sie einen umfassenden Eindruck bekommen haben, wie Marken bereits jetzt das tun, was die Marketing-Gurus predigen:

Eine Sache daran ist gleichzeitig angsteinflößend und Grund zu Feiern: Wo immer Sie leben, was Sie auch tun, es gibt absolut keine Entschuldigung dafür, die Innovationen in Australien, den Niederlanden, in Argentinien, in der Türkei, in Singapur oder in Südafrika zu ignorieren. Unzählige Quellen berichten vierundzwanzig Stunden am Tag über Neuerungen, Trends und neue Geschäftsideen – Sie müssen nur zuhören.

Also, legen Sie los! Wir wünschen Ihnen viel Erfolg! Und sobald sie einmal mitten in der ‚Extravaganza‘ stecken, lassen Sie uns doch wissen, welche innovativen Produkte und Dienstleistungen Sie erfunden haben.