Februar 2011 | Die rapide Urbanisierung ist einer der größten Makrotrends unserer Zeit. Darum ist es jetzt richtig, Innovationen sowohl für die eingesessenen wie die zugezogenen ‚CITYSUMERS' auf der ganzen Welt zu entwickeln. Viel Spaß!

Die Stadt als die Konsumarena der Zukunft.

Wir haben URBANOMICS bereits als einen unserer 11 wichtigsten Consumer Trends für 2011 gekennzeichnet, aber da Urbanisierung einer der absoluten ‚Mega-Trends' der kommenden Dekade ist, verdient URBANOMICS ein Briefing für sich allein! Hier ist also ein umfassendes Trend Briefing zu dem Effekt der rasend schnell wachsenden Urbanisierung: der Aufstieg des CITYSUMERS. Eine Definition:

CITYSUMERS | Hunderte Millionen (und es werden immer mehr!) erfahrene und anspruchsvolle Stadtbewohner* von San Francisco über Shanghai bis São Paulo, die immer fordernder und offener, aber auch immer stolzer, vernetzter, spontaner und probierfreudiger sind, und die eifrig eine ganze Reihe neuer urbaner Produkte, Dienstleistungen, Erlebnisse, Kampagnen und Konversationen aufgreifen.

* Zur Klarstellung: In diesem Briefing konzentrieren wir uns auf urbane Konsumenten mit einem gewissen Einkommen. Für den Konsum am BOTTOM OF THE URBAN PYRAMID in Schwellenländern wird es ein eigenes Briefing geben, da sich hier für Unternehmen andere Herausforderungen (aber auch oft übersehene Möglichkeiten) ergeben. Wir sprechen hier aber auch nicht von der mythisch anmutenden (und übertrieben gehypten) transnationalen Elite — denn wie viele „globale Nomaden" gibt es wirklich? ;-)

Hier sind nur drei der treibenden Kräfte hinter dem CITYSUMERS-Trend:

  1. Der rasende Anstieg der Einwohnerzahlen in Städten auf der ganzen Welt (URBAN BOOM).
  2. Der immer größer werdende Reichtum und die wachsende Macht der Städte und derer, die dort leben (URBAN MIGHT).
  3. Die Verbreitung von urbaner Kultur und Werten (URBANE).

Um diese CITYSUMERS zufrieden zu stellen, müssen Marken Produkte und Kampagnen genau auf das ausgebuffte, urbane Publikum zuschneiden. Dabei geht es um praktische Aspekte (angemessene Formen, Größen und Ausstattung bei Gebrauchsgegenständen und Dienstleistungen); darum, dass die Marke ‚versteht' (wie es ist, einen hektischen und gleichzeitig sehr abwechslungsreichen Lebensstil zu haben) und auch darum, seinen Teil zum kollektiven Streben nach sozialer und ökologischer Nachhaltigkeit beizutragen.

Aber zuerst ein paar mehr Details zur Stadt als aufstrebende Konsumarena:

 

URBAN BOOM

Mehr und größere Städte als je zuvor

  • Ohne die ländlichen Bevölkerungsanteile in China (43%), Afrika (33%) und Indien (29%) wäre die Welt heute schon deutlich urbanisierter als sie es ist (50,5%). (Quelle: CIA The World Factbook, 2010.) China, Afrika und Indien steht dabei in den nächsten Jahrzehnten die starke Urbanisierung erst noch bevor.
  • Mehr als 180 000 Menschen ziehen jeden Tag in die Städte, wodurch die Zahl der Stadtbewohner jedes Jahr um 60 Millionen zunimmt. (Quelle: Intuit, Oktober 2010.)
  • Bis 2050 werden 6,3 Milliarden Menschen in Großstädten leben — das sind 70% der Gesamtweltbevölkerung. (Source: UN, 2009.)
  • 2030 wird die Zahl der Stadtbewohner in China 1 Milliarde betragen, in Indien werden es 590 Millionen sein. In Europa leben derzeit 533 Millionen Menschen in Großstädten. (Quelle: McKinsey Forecast & UN Data, 2009-10.)
  • 2030 wird es in China 221 und in Indien 68 Großstädte mit mehr als 1 Million Einwohner geben. 2010 gab es davon nur 35 in ganz Europa. In den nächsten zwanzig Jahren werden 400 Millionen Chinesen und 215 Millionen Inder in städtische Gegenden ziehen — das sind mehr als die Bevölkerungen der USA und Brasilien zusammen. (Quelle: Foreign Policy, August 2010.)
  • Ein letzter Brocken: Im Januar 2011 schlugen chinesische Stadtplaner vor, die neun Städte um das Perlfluss-Delta zu einer großen Stadt zusammenzuschließen. Dort leben an die 42 Millionen Menschen — mehr als in Argentinien — auf einer Fläche, die 26 mal größer ist als London (Quelle: Reuters, Januar 2011.)

Der Unterschied zwischen den urbanen Welten des Hier und Jetzt und denen der Zukunft? Es wird viel mehr Städte geben, und einige werden erst noch neu entstehen und größer sein als alle Städte zuvor. Während sich die traditionell als ‚Global Powerhouses' geltenden Städte wie New York, London und Paris die Bühne bereits mit Beijing, Mumbai und Istanbul teilen, gewinnen auch Städte wie Belem, Chongqing und Guadalajara an Bedeutung. Aber dazu mehr in ‚URBAN MIGHT':

 

URBAN MIGHT

Magnet für Wohlstand, Talent und Kreativität

30% der gesamten Weltwirtschaft werden in nur 100 Großstädten generiert. Hier werden auch fast alle Innovationen entwickelt. Viele dieser Globalisierungsmaschinen mit ihren Motoren aus Geld, Wissen und Stabilität sind Welthauptstädte, die sich in Jahrzehnten, wenn nicht Jahrhunderten der Vorherrschaft entwickeln konnten (Quelle: Foreign Policy, August 2010). 

Diese riesigen, konsumgetriebenen Zentren sind reich an Netzwerken und Möglichkeiten, und locken viel Talent an, um jeden Tag neue Innovationen hervorzubringen: Hong Kong besuchen jedes Jahr mehr Touristen als ganz Indien. Tokios und New Yorks geschätzte BIP sind genau so groß wie das von Schweden oder der Schweiz. (Source: UN Habitat, 2010). Paris, Lissabon, Brüssel, Budapest und Seoul tragen jeweils mehr als 25% zum Einkommen des gesamten Landes bei. (Quelle: UN Habitat, 2010).

In den kommenden Jahrzehnten werden noch viel mehr neue und/oder größere Städte hinzukommen, in denen sich immer mehr globaler und nationaler Wohlstand, Talent und Kreativität konzentrieren:

  • Bis 2030 werden 70% aller neuen Arbeitsplätze in Indien in Großstädten entstehen. Sie werden mehr als 70% des indischen BIP erwirtschaften und das Pro-Kopf-Einkommen im Land fast vervierfachen. 2030 wird es in Indien 92 Millionen urbane Haushalte der Mittelklasse geben — das sind 22 Millionen mehr als 2010. (Quelle: McKinsey Global Institute, April 2010.)
  • Die Chinesische Akademie der Wissenschaften nimmt an, dass das chinesische BIP mit jedem Prozent urbanen Wachstums um 1,6% steigen wird. (Quelle: Deloitte, Juni 2010.)
  • Shanghai erwirtschaftet über 13% des chinesischen BIP, obwohl dort nur 2% der chinesischen Bevölkerung leben. (Quelle: UN Habitat, 2010.)
  • Die Zahl der afrikanischen Haushalte mit frei verfügbarem Einkommen wird in den nächsten zehn Jahren um 50% auf 128 Millionen wachsen. 2030 werden die 18 größten Städte der Welt eine gesamte Kaufkraft von 1,3 Billionen US-Dollar haben. (Quelle: McKinsey, Juni 2010.)
  • Delhi, Shanghai, São Paulo und Moskau werden 2025 ein BIP von jeweils mehr als 500 Milliarden US-Dollar erreichen — das ist mehr als das aktuelle BIP von Staaten wie Indonesien oder Belgien. (Quelle: McKinsey, Dezember 2010.)

Die Folge? Eine wachsende, globale Mittelschicht von 2 Milliarden Menschen, die derzeit jedes Jahr 6,9 Billionen US-Dollar ausgeben. Im nächsten Jahrzehnt wird sich diese Zahl auf 20 Billionen US-Dollar — das ist doppelt so viel wie der derzeitige Konsum in den USA — erhöhen. (Quelle: McKinsey, Juli 2010.)

 

URBANE

Stadtkultur ist die Kultur

Zurück zu CITYSUMERS. In Sachen Konsum garantiert das schnelllebige und sich ständig weiterentwickelnde Großstadtleben unendlich viele neue soziale Verbindungen, Erlebnisse und (kommerzielle) Versuchungen. CITYSUMERS sind deshalb süchtig nach ‚Jetzt-und-Sofort'-Erlebnissen, großer Auswahl und Freiheit, Flexibilität, Unmittelbarkeit und unbegrenzten Möglichkeiten. Sie sind auch ständig auf der Suche nach dem ‚Next Big Thing', wenn nicht auch nach der ‚Next Big Story'. In der Tat ist Stadtkultur heute die Kultur schlechthin*.

Hier kurz einige Indikatoren für Kaufkraft und Konsumverhalten der Stadtbewohner:

  • Im durchschnittlichen Haushalt in Manhattan werden 59% des Essensbudgets von 13 079 US-Dollar in Restaurants ausgegeben. Der durchschnittliche amerikanische Haushalt gibt dafür nur 42% ihres Budgets von 6514 US-Dollar aus. (Quelle: Bundle, Mai 2010.)
  • Schon vor vier Jahren fand Harris heraus, dass die ‚Urban Hustlers' (21% der US-amerikanischen Konsumenten zwischen 12 und 34 Jahren), fast 9 Milliarden US-Dollar (10% ihres Jahreseinkommens) für Freizeitaktivitäten ausgeben. Urban Hustlers geben im Durchschnitt pro Monat 100 US-Dollar mehr aus als die nicht-städtische Bevölkerung — ihre Konsumausgaben liegen bei 383 US-Dollar im Monat. (Quelle: Harris Interactive, Juni 2007.)
  • Der Lifestyle chinesischer Stadtbewohner hat sich von einer "Einfach Überleben-Mentalität" zu einer „das Leben genießen"-Einstellung gewandelt. 54% machen heute Spaß und Freizeit zu einer Lifestyle-Priorität. (Quelle: GfK Roper, 2010.)
  • Nur 17% der chinesischen Städter geben an, dass sie ‚nur zögerlich Geld ausgeben'. (Quelle: Economist Intelligence Unit, August 2010.)

* Dies liegt nicht nur an der Massenurbanisierung, sondern auch daran, dass auch die ländliche Bevölkerung über das Internet am urbanen Leben und Kultur teilnehmen kann.

Natürlich spielt hier auch MATURIALISM eine Rolle: Da sie ständig vielen alternativen Lifestyles und Erfahrungen ausgesetzt sind, sind CITYSUMERS generell offen eingestellt. Ein besonders aussagekräftiges Indiz: Im August 2010 ergab eine Umfrage der Voice of India, dass fast ein Drittel der Inder in Bangalore und Mumbai für gleichgeschlechtliche Partnerschaften sind — eine Zahl, die noch vor Jahren undenkbar gewesen wäre**.

Das städtische Publikum begeistert sich für Marken, die herausfordern oder sogar schocken (natürlich nur so lange es mit dem bestmöglichen Geschmack getan wird ;-). Marken müssen dabei zumindest Persönlichkeit zeigen und auf entspannte Art und Weise auf die Eigenarten der Stadtkultur eingehen. Ist das riskant? Ja. Nur langweilig sein ist riskanter.

** Nein, wir behaupten nicht, dass jeder CITYSUMER grundsätzlich und überdurchschnittlich liberal eingestellt ist. Aber wie wir schon bei MATURIALISM festgestellt haben, geht der globale Trend klar (wenn auch nur allmählich) in die Richtung einer generellen Toleranz gegenüber Abtreibung, Euthanasie, ungezwungenem Sex, Homosexualität, Drogenkonsum, Frauenrechten etc. Die vielfältigen Lebensmodelle und das Verschwinden von traditionellen Sozialstrukturen in den Großstädten tragen ihren Teil dazu bei.

 

Chancen

Genug Statistiken und Theorie: hier sind ein paar Markenbeispiele, die auf innovative Art CITYSUMERS auf der ganzen Welt begeistert haben:

 

CHANCE 1:
STÄDTERSTOLZ FEIERN

In den blühenden Megastädten, deren ökonomische und kulturelle Kraft oft schon die ganzer Staaten übertrifft, sind die Identitäten der CITYSUMERS eng an die stadteigene Kultur, Markenstatus, Geschichte und Lebensgefühl gebunden. Für Marken sind stadtspezifische Produkte und Kommunikation eine große Chance, den CITYSUMERS auf menschliche und spannende Art und Weise Ehre zu erweisen (insbesondere, wenn diese Marken zuvor als groß, unpersönlich und 'zu unternehmerisch' wahrgenommen wurden).

  • Düfte sind beliebt, wenn es darum geht, die Essenz einer Stadt einzufangen. Die amerikanische High-End Modemarke DKNY vermarktet einen Duft mit dem Namen „Love from New York for Women", und die Stadt Beverly Hills hat eine eigene Linie von 3 Düften herausgebracht, die „wie das Lebensgefühl der Frauen in Beverly Hills" duften. Ein weiteres Beispiel ist der Launch der High Line von Bond No.9 in New York, dessen Duft vom Stadtteil-Experiment gleichen Namens inspiriert ist. Es ist auch bekannt als „The World's First Railroad Perfume" und duftet nach „wilden Blumen, grünen Gräsern... und urbaner Erneuerung."
  • Die Designfirma Workerman in Minneapolis hat eine Stadt im Glas entworfen: ein Glas mit Ansteckern mit stadtspezifischen Symbolen und Bildern. Auf den 600 Ansteckern sind 20 verschiedene Hot Spots der Stadt zu sehen. Minneapolis war die erste „Stadt im Glas"; mehr Städte werden folgen.

  • 718 Made in Brooklyn ist ein Möbeldesign-Unternehmen aus New York. Im Mai 2010 enthüllten sie auf der BKLYN Design Show in Brooklyn die „Subway Series". Die Firma hat ausgemusterte U-Bahnschilder in Leuchtschilder umgewandelt, mit denen CITYSUMERS ihre Wohnungen verschönern können.
    • Der spanische Kerzenhersteller Cerabella vertreibt eine Kerzenkollektion, die von den unterschiedlichen Vierteln Barcelonas von La Rambla bis El Raval inspiriert ist.
    • Die Absolut Cities Series begann in New Orleans, als die Marke hier einen speziellen Wodka mit Mango-Geschmack und einer Note schwarzen Pfeffers auf den Markt brachte. Der Geschmack von Boston wurde in einem Wodka eingefangen, der nach schwarzem Tee und Holunder schmeckt und dessen Etikett an die „Green Monster"-Wand im Fenway Park Stadion erinnert. Absolut Brooklyn wurde 2010 mit Apfel- und Ingwergeschmack und einer Flasche mit Sandstein-Design von Spike Lee auf den Markt gebracht.
      • Die finale Edition der Adidas City Collection kam im Dezember 2010 auf den Markt und feierte die Stadt Birmingham und ihre berühmte Cadbury Schokoladenfabrik.

      Eng verwandt mit limitierten (Städte-)Editionen: Jetzt wo dank des Internets von Adelaide bis Atlanta alles überall auf der Welt verfügbar ist, können man mit LIMITED LOCATION-Produkten schon fast ungewohnte Angebotsengpässe erreichen. Der Vorteil? Der Engpass wird seinen Effekt auf die Bereitschaft der CITYSUMERS, Premiumpreise zu zahlen, haben ;)

      • Diors sehr teures Shanghai Blue Phone gibt es nur in Geschäften in Shanghai und ist ein tolles Beispiel dafür, dass LIMITED LOCATION nicht automatisch nach oben begrenzte Preise bedeutet.
      • Die japanische Modemarke BAPE verkauft einige ihrer Limited Edition-Kollektionen ausschließlich in Geschäften in Tokio (Harajuku), Kagoshima, Nagoya und Matsuyama.
      • Im August 2010 gab Starbucks den Launch einer neuen Reihe von sortenreinen Ultra-Premium-Kaffeesorten bekannt. Sie werden in begrenzter Auflage ausschließlich in Großstädten wie New York City, San Francisco, Los Angeles, Washington D.C. und Miami erhältlich sein.

      Wie wäre es mit all dem auf Stadtteil-Ebene? Jetzt wo Mega-Städte immer größer werden, ist Stadtteil-Patriotismus der ultimative Weg, seine Großstadtidentität auszuleben:

      • Yahoo! installierte im Dezember 2010 digitale Bildschirme an 20 Bushaltestelle in San Francisco, an denen Pendler gegeneinander Videospiele spielen konnten. Die Pendler gaben ein, für welches der 20 Stadtviertel sie antreten wollten. Für das Gewinnerviertel wurde am Ende des 2-monatigen Wettbewerbs ein Stadtteilfest mit einem Auftritt der Band OK Go organisiert.

      • Im Oktober 2010 launchte Adidas ein Spiel, bei dem Fußballer Städte erobern konnten. Indem sie sich über Facebook einloggten konnten Spieler ihre Stadt auswählen (die in Hunderte Abschnitte eingeteilt wurde) und versuchen, durch One-on-One-Duelle einen Stadtteil nach dem anderen zurückzuerobern.


      CHANCE 2:
      URBANE BEGEGNUNGEN MÖGLICH MACHEN

      Wie wir bereits in unserem MASS MINGLING-Briefing gesehen haben, zieht sich das Publikum nicht in die virtuelle Welt zurück, obwohl sie immer mehr Zeit online verbringen. Ganz im Gegenteil: CITYSUMERS wird es immer sehr wichtig sein, neue und echte Menschen zu treffen und die große Auswahl, die Spannung, den schnellen Schritt, die Spontaneität und das schwingende Chaos des urbanen Lebens genießen zu können. In der Tat ermöglicht die ‚Online-Welt' immer neue ‚Offline-Begegnungen'.

      • Geomium ist eine iPhone App, die im September 2010 in London gelauncht wurde. Sie informiert den User über Aufenthaltsorte von Freunden und über Events in der Umgebung. Außerdem hilft sie, lokale Bars, Restaurants und andere interessante Plätze zu entdecken.
      • Foursquares Rivale Gowalla stellt auf den City Pages interessante Aktivitäten in ausgesuchten Städten zusammen. Sie präsentieren beliebte Orte und was gerade im Trend ist; außerdem zeigen sie Highlights in bestimmten Kategorien (z. B. der beste Burger, der beste Kaffee) und helfen, „Ausflüge" in diese Stadtteile zu koordinieren.

      • Die deutsche Firma Locamap GmbH bietet homosexuellen Männern Reiseführer zu vielen Städten in Deutschland, Österreich, den USA und Großbritannien.
      • Im Mai 2010 kaufte Yahoo! den indonesischen Social Networking-Service Koprol, mit dem User am selben Ort in Verbindung treten können. User können über mobile Geräte eine Statusnachricht eingeben und die Seite als Positionsanzeiger nutzen, ohne einen GPS-Empfänger zu haben. Sobald sie eingeloggt sind werden ihnen andere Mitglieder in der Umgebung angezeigt.
      • Den US-amerikanischen Ratio Finder gibt es seit Mitte 2010. Über eine Schnittstelle zu Foursquare kann er auf einer ‚Heatmap' mit blauen und pinken Kreisen das aktuelle Geschlechterverhältnis in Bars, Restaurants und anderen Veranstaltungsorten anzeigen.

       

      CHANCE 3:
      DAS STADTBILD BEREICHERN

      Inmitten all der urbanen Pracht wünschen sich die überbeschäftigen, auswahlverwöhnten und Smartphone-besitzenden CITYSUMERS Marken, die ihnen immer neue und sofort verfügbare Erlebnisse liefern — und das ganz besonders, wenn diese Erlebnisse dynamisch, wenig zeitaufwändig, hoch interessant und interaktiv sind. Hier einige aktuelle Beispiele:

      • Um das zehnjährige Jubiläum von RalphLauren.com zu feiern projizierte das US-amerikanische Luxuslabel Ralph Lauren im November 2010 ein ‚vier-dimensionales Bild' auf die Fassaden der New Yorker und Londoner Geschäfte. Zu sehen waren Montagen von Ralph Lauren-Motiven, und die Zuschauer hatten das Gefühl, dass ihnen die Bilder ‚entgegenkommen' würden. Die Untermalung mit Musik und Ambient-Düften sorgte dafür, dass es ein besonderes Zuschauer-Erlebnis wurde.
      • Im Juli 2010 fand in London das Starlite Urban Drive-In von Volvo statt. Besucher konnten in 25 bereitgestellten Volvos auf einem großen Outdoor-Screen Filme sehen, entspannen und Snacks genießen.
      • Im Zuge des Londoner Design Festivals im September 2010 stellte der deutsche Autobauer Audi auf dem Trafalgar Square acht Produktionsroboter aus einer seiner Fabriken aus. Auf der Outrace.org-Webseite konnte man den Roboterarmen Nachrichten schicken, die sie dann auf LED-Leisten anzeigten.

      • Die Adidas Urban Art Guide App ist nun auch für Hamburg verfügbar, nachdem sie schon in Berlin erfolgreich die besten Graffiti-Spots angezeigt hatte.
      • Die Schokoladenriegelmarke Snickers veranstaltet in verschiedenen Städten in Russland und Mexiko Jugendkultur-Festivals. ‚Snickers Urbania' zeigt fast alle Strömungen der ‚Street Culture': Extremsport, Graffiti, Breakdancing, Beatbox und Freestyle, und ermutigt junge Leute, ihre Persönlichkeit und ihr Talent auszuleben.

       

      CHANCE 4:
      ÜBER STADTGRENZEN HINAUS

      Das URBANE Publikum begeistert sich für Produkte, Dienstleistungen und Erlebnisse, die ausgereift — oder einfach nur relevant für die urbane Kultur — sind, hier nun einige entsprechende Beispiele, die WEIT ÜBER DIE GRENZEN DER STADT hinausgehen:

      • Im Juli 2010 platzierte Calvin Klein einen großen QR-Code auf zwei Plakatwänden in New York City. Passanten konnten den Code mit ihren Smartphones abfotografieren und so einen 40-Sekunden-Spot mit dem Model Lara Stone freischalten.
      • Ebenfalls im Juli 2010 launchte Mini Cooper eine interaktive Billboardkampagne im Rotlichtviertel von Hamburg, der Reeperbahn. Darauf sah man das Heck eines Minis mit einer motorisierten S&M-Peitsche, die durch eine einfache SMS auch benutzt werden konnte
      • Im Januar 2011 brachte das amerikanische CW Television Network eine Reihe von neuen Teaser-Billboards für die Serie Vampire Diaries heraus. Auf den Plakaten stand zuerst nur „Catch VD". Später wurden sie mit Vampire Diaries-Content aktualisiert. Auf Nachfrage veröffentlichte der Sprecher von CW nur folgendes Statement: „VD steht ganz einfach für Vampire Diaries. Jeder, der das noch nicht weiß, sollte sich vielleicht untersuchen lassen" ;-)
      • Axel Hotels, die spanische ‚hetero-freundliche' Boutique-Hotelkette, hat sich mit den Parkview Developers in New York zusammengetan, um in New York ein Resort für die homosexuelle Community zu bauen. Das Resort soll Out NYC Urban Resort heißen und wird aus einem Axel Hotel, einem Spa, mehreren Restaurant und Bars, Geschäften und einem Nachtclub, der sieben Tage geöffnet hat, bestehen. Axel Hotels betreibt derzeit Hotels in Barcelona, Berlin und Buenos Aires.

      CHANCE 5:
      ÖKO URBAN

      Städte werden im Bezug auf ökologische Nachhaltigkeit immer mehr als günstige Wohnform gesehen, da hohe Wohnraumdichte auch eine effizientere Verteilung der Ressourcen erfordert (obwohl da nicht jeder zustimmen würde).

      Tatsächlich bieten urbane Lebensräume fortschrittlich denkenden Marken eine ganze Reihe an Möglichkeiten, wie sie ökologisch bewusste CITYSUMERS begeistern können:

      • Im September 2010 brachte Urban Green Energy eine Windkraftmaschine mit dem Namen Eddy GT auf den Markt. Sie ist durch ihre vertikale Achse in der Lage, ohne viel Lärm und unabhängig von der Windrichtung Energie zu erzeugen. Die Eddy GT wurde speziell für Hausdächer entwickelt.

      • Der Greenerator ist ein kompakter Solar- und Windenergie-Kollektor, der einfach auf dem Balkon installiert werden kann.
      • Das bring.BUDDY-Programm soll im Frühjahr 2011 vom US-amerikansichen Kurierservice DHL getestet werden. Es rekrutiert Städter, Pakete auf Wegen, die sie sowieso zurücklegen würden, mitzunehmen und abzugeben.
      • Im Dezember 2010 schloss sich der japanische Autohersteller Mitsubishi mit dem Elektrofachhändler Yamada Denki zusammen, um in 17 Geschäften in und um Tokio das i-MiEV-Elektroauto zu verkaufen. Mitsubishi hat seit April 2010 in Japan bereits 3000 i-MiEV verkauft, und hofft, die Verkaufszahlen durch die Aktion noch zu steigern.
      • BMW wird 2013 sein erstes Elektroauto auf den Markt bringen. Das Megacity Vehicle (MCV) wird unter einer Submarke vertrieben und als ein „Null Emissionen"-Auto positioniert, das für das Leben in der Stadt konzipiert ist. Der Wagen wird mit Materialien gebaut, die ultra-leicht und gleichzeitig sehr widerstandsfähig sind.
      • Im Juni 2010 wurde in London ein Prototyp des umweltfreundlichen Black Cabs vorgestellt. Es wird von Wasserstoff-Brennstoffzellen angetrieben, die Wasserstoff in Strom umwandeln und dabei als Emission nur Wasserdampf hinterlassen. Zu den Olympischen Spielen 2012 sollen etwa 150 dieser Taxis auf den Londoner Straßen fahren.
      • Im April 2010 gab Honda bekannt, dass noch im selben Jahr mit dem EV-neo ihr erster Elektro-Scooter auf den japanischen Markt kommen sollte. Der Scooter wird von einer Lithium-Ionen-Batterie angetrieben und ist für kurze Lieferfahrten (z. B. Pizza oder Zeitungen) in Japans hektischen Großstädten konzipiert.

       

      CHANCE 6:
      STADTFLUCHT

      ‚Mega-City' ist gleichbedeutend mit Gedränge, Lärm, verstopften Straßen, Asphalt und schlechter Luft. Es kann aber auch die Möglichkeit zur STADTFLUCHT bedeuten. Marken, die sich darauf konzentrieren, CITYSUMERS die zeitweise Flucht aus der Stadt zu ermöglichen, um ein wenig Ruhe und Frieden in der Natur und sauberer Luft zu genießen, werden ewig mit neuen Service-Innovationen überraschen können. Nur ein Beispiel:

      • Meine Ernte ist ein deutsches Landwirtschaft-Start-up, das Paaren und Familien aus der Stadt die Möglichkeit bietet, kleinere Stücke Land für den Gemüseanbau zu pachten. Felder gibt es in der Nähe von sechs deutschen Großstädten, unter anderem auch bei Frankfurt und Bonn. Geräte und Ratschläge von den Experten sind im Preis enthalten ;-)

       

      CHANCE 7:
      URBANE TRANSZENDENZ

      Und was ist mit CITYSUMERS, die nicht einfach so wegfahren können? Wie wäre es mit Ruhe und Frieden, grüner Natur und anderen ländlichen Vorteilen in der Stadt? Hier ist ein spannendes Beispiel:

      • Im Oktober 2010 gab die US-amerikanische Immobilienfirma The Albanese Organization bekannt, dass sie in Kollaboration mit den Holton Farms jede Woche frisches, lokal produziertes Gemüse und Obst an ihre Mieter in New York liefern wird.

       

      CHANCE 8:
      KAUFEN ODER NICHT KAUFEN

      Das Leben im Gedränge der Stadt bedeutet für viele CITYSUMER, dass sie große, sperrige und sowieso selten benutzte Gegenstände einfach nur unpraktisch finden. Ein vereinfachter Zugang zu öffentlichen Dienstleistungen oder sogar privaten Gegenständen anderer Menschen wird so immer mehr zu einer echten Option. Weiterhin müssen CITYSUMERS durch das OWNER-LESS-Modell nicht mehr große Teile ihres Einkommens in eine kleine Zahl teurer Dinge stecken. So steht auch mehr Geld für eine Vielzahl neuer Erlebnisse zur Verfügung:

      Da es auf der ganzen Welt bereits unendlich viele Car- und Bike-Sharing-Programme gibt, wird ein Markteintritt ohne die Unterstützung einer großen Marke oder einer lokalen Institution, ein innovatives Konzept oder hohe Umweltfreundlichkeit (wenn nicht sogar all das zusammen ;-) kaum möglich sein.

      • Daimlers Smart car2go Car-Sharing-Service.
      • Frankreichs OKIGO, eine Kollaboration von VINCI Park und Avis.
      • Peugeots Mu-‚Mobility'-Service, der Autos, Scooter, Lieferwagen und sogar Fahrräder verleiht.
      • Die Zusammenarbeit des New Yorker Department of Transportation mit Zipcar, bei der sich Angestellte der Behörde Hybridautos mit der Öffentlichkeit teilen.
      • SoBi, das erste öffentliche Bike-Sharing-System, bei dem das Autorisierungs- und GPS-Gerät direkt am Fahrrad angebracht ist und das an jedem Fahrradständer angeschlossen werden kann.
      • Spride Share, das es seit September 2010 in Kalifornien gibt. Damit können Autobesitzer ihre Wagen an andere Privatpersonen vermieten.
      • Fiat leiht seinen Kunden in fünf spanischen Städten Elektrofahrräder, solange ihr Auto in der Reparatur ist.
      • Autolib, einer der ersten öffentlichen Elektroauto-Sharing-Services, wird 2011 von der Stadt Paris gelauncht.
      • Es geht aber nicht immer nur um teure Gegenstände. Die ausgebufften und vernetzten Städter haben immer öfter temporären Zugang zu fast allem, was sie brauchen könnten. New York mit seinem riesigen Markt und superspontanen, räumlich eingeschränkten Konsumenten bietet heute immer mehr solcher Möglichkeiten für CITYSUMERS, die bestimme Dinge nicht kaufen können oder wollen. Mit Snapgoods kann man Gebrauchsgegenstände anderer Leute mieten, und über Rent the Runway können Frauen Designerkleider leihen (und die Lieferung noch am selben Tag erhalten).

      Die Frage ‚KAUFEN ODER NICHT KAUFEN' wird mittlerweile in jeder Großstadt gestellt, weshalb wir uns in einem späteren Briefing mit dem Aufstieg der SHARECONOMICS beschäftigen werden.

       

      NOCH MEHR CHANCEN

      CITYSUMERS bietet für Geschäftstreibende mit Hang zu spannenden/praktischen/bedeutungsvollen Innovationen unendliche Möglichkeiten. Sie werden sicher bemerkt haben, dass auch viele der in früheren Briefings vorgestellten Innovationen zu Produkten, Dienstleistungen, Erlebnissen oder Kampagnen passen, die wiederum speziell auf die besonderen (und oft stark ausgeprägten) Bedürfnisse der Stadtbewohner weltweit zugeschnitten sind.

      Hier also die letzte Runde Beispiele CITYSUMER-kompatibler Trends wie NOWISM, PLANNED SPONTANEITY (GEPLANTE SPONTANEITÄT), BRAND BUTLERS, und RANDOM ACTS OF KINDNESS (ZUFÄLLIGE GUTE TATEN):

      • Eine weitere Idee für Bushaltestellen-Branding: Für eine Woche im Dezember 2010 konnten es sich Pariser Pendler an einigen Bushaltestellen gemütlich machen — der schwedische Möbelriese IKEA hatte die Haltestellen mit Sofas, Regalen, Lampen und Dekoration ausgestattet.
      • Im Januar 2011 stellte der US-amerikanische Kaffeehändler Caribou Coffee in Minneapolis beheizte Bushaltestellen auf, die wie gigantische Öfen aussahen und in denen sich die Pendler an richtigen Heizspiralen wärmen konnten.
      • Seit November 2010 gibt es vom Stadtführer Flavorpill eine App, die Kulturevents in großen US-amerikanischen Städten wie New York, Los Angeles, Chicago, und San Francisco (bald kommen noch London, Miami, Las Vegas, und Dallas hinzu) zusammenträgt. Puma sponsert die App, so dass sie auch Werbebotschaften mit z. B. Giveaways, Produktinfos und Videos enthält.
      • Im Mai 2010 launchte Compactix aus New York den The DeskMate: ein tragbares Fitnessgerät, mit dem Schreibtischhengste aus während der Arbeit trainieren können.
      • In Zusammenarbeit mit Sean Combs und NYC DOT lief im Dezember 2010 in New York das Safe Ride-Programm von Ciroc Vodka. Dabei verteilten Ciroc-Teams Prepaid-Geschenkkarten im Wert von jeweils 25 US-Dollar, die Konsumenten für Taxifahrten oder Metrocards eintauschen konnten.
      • Um Weihnachten 2010 den Verkauf anzukurbeln, veranstaltete KFC das 'Festive Feast' — die Kampagne forderte Konsumenten auf zu sagen, warum gerade ihre Heimatstadt vom Weihnachtsmann besucht werden und KFC-Gutscheine im Wert von 20 000 US-Dollar erhalten sollte.
      • Metrotwin von British Airways ist ein Online-Portal, auf dem „Zwillingsstädte" verglichen und interessante Orte und Aktivitäten für unternehmungslustige Pendler zusammengestellt werden. Im Moment stehen sich London, New York und Mumbai gegenüber. Die Seite empfiehlt die trendigsten Stadtviertel, Geschäfte, Sehenswürdigkeiten und viele anderen Plätze, die man einfach gesehen haben muss.
      • Im Januar 2010 launchte Nike die True City iPhone App, über die man ‚Insidertipps' zu sechs europäischen Großstädten bekommen kann. Man kann außerdem eigene Tipps eintragen und erhält exklusive Angebote und Informationen von Nike.

      UND ALS NÄCHSTES?

      Wir haben uns viel Mühe gegeben, dieses Briefing nicht zum Roman werden zu lassen, aber dennoch kratzen wir weiterhin nur an der Oberfläche des Urbanisierungsphänomens und seinen unzähligen Facetten.

      Wenn sie mehr über die politischen, ökonomischen, industriellen, ökologischen und sogar psychologischen Auswirklungen der Zukunft der Urbanisierung wissen möchten, empfehlen wir den UN Habitat State of the World's Cities 2011 Report, Foreign Policys Ausgabe zu Global Cities, McKinseys What Matters: Cities oder die Megalopolis: The City of the 21st Century-Ausgabe des World Policy Journals.

      Und während Sie nun in die Vorstellung einer urbanen Zukunft eintauchen, überlegen Sie, wie Sie den urbanen Blickwinkel zu einem Teil ihrer Strategie, ihrer Innovationen, ihrer Partnerschaften und Kampagnen machen können. Hat ihre Marke eine Strategie nur für New York? London? Singapur? Sao Paulo? Shenzhen? Amsterdam? Kapstadt? Taipei? Toronto? Istanbul?

      Wir werden später in diesem Jahr einen weiteren Blick auf die unendlichen Überraschungen werfen, die dieser Trend bereithält. Melden Sie sich also unbedingt für unsere kostenlosen Trend Briefings an! Viel Spaß!